Berliner Kinderchor - "Singend um die Welt"

  

Berliner Kinderchor – Historie

Über Siebzig und kein Stück älter

„72 Jahre lang jung geblieben“, eine Höflichkeitsfloskel, die regelmäßig in Reden zu Geburtstagsfeiern oder beim Schreiben von Glückwunschkarten verwendet wird. In einem Fall könnte es aber nicht besser zutreffen. Der Kinderchor ist 72 Jahre alt und ist ein Kinderchor wie eh und je. In den Nachkriegswirren von Berlin wurde 1945 der Kinderchor durch die junge Musiklehrerin Felicitas Hübbe-Haunert ins Leben gerufen. In einer Zeit, in der den Menschen in Berlin Mut und Hoffnung genommen waren, hatten die Kinder in einer kleinen Singgemeinschaft die Möglichkeit für einige Zeit die Sorgen und Nöte der Nachkriegszeit zu vergessen.

Als eines Tages ein Kind im Unterricht von Felicitas Hübbe-Haunert weinte, weil es für die kranke Mutter kein Geburtstagsgeschenk hatte, beschloss die Klasse, ihr mit einem Ständchen zu gratulieren. Damit war an diesem Tag der Grundstein für den Berliner Kinderchor gelegt, der für die nächsten 57 Jahre unter der Leitung von Frau Hübbe-Haunert stand.

Der Berliner Kinderchor spielte im Kulturleben der geteilten Stadt Berlin eine wesentliche Rolle. Anfangs trat der Chor in Berlin auf, doch schon Ende der 50er Jahre gab es Konzerte im In- und Ausland. Seither startete der Berliner Kinderchor zu über 100 Konzertreisen in 25 Ländern der Welt. Von Skandinavien bis Spanien und Italien, von London und Paris bis Petersburg und Moskau. In den Jahren 1982 und 1990 flog der Chor zu einer Tournee nach Japan und 1993 hatte der Chor die Ehre vor dem japanischen Kaiserpaar in Berlin aufzutreten.

Mit seinem Repertoire vom Volkslied, Berliner Gassenhauern und klassischer Chormusik wurde der Berliner Kinderchor in aller Welt gefeiert. Neben den Konzerten wirkte der Berliner Kinderchor bei vielen Rundfunk-, Film und Fernsehproduktionen, ob SFB, RIAS, ARD oder ZDF etc. mit. Höhepunkte für den Berliner Kinderchor waren die Konzerte, in denen der Chor gemeinsam mit Prominenten auftrat, wie Helmut Lotti, Chris de Burgh, Michael Schanze u.v.m. Ein besonderes Erlebnis war die Mitwirkung im Film „Der Hauptmann von Köpenick“. Seit vielen Jahren engagiert sich der Berliner Kinderchor für karitative Zwecke mit Benefizkonzerten, wie z.B. mit der UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen, „Ein Herz für Kinder“, „Care“ etc.

Frau Hübbe-Haunert wurde für ihre Arbeit mehrfach gewürdigt, unter anderem mit dem Bundesver-dienstkreuz am Bande und dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Inzwischen gibt es 1000 Ehemalige, die zum Teil noch heute den Chor begleiten und unterstützen. Und gerade diese selbstlose Arbeit vieler Menschen rund um den Chor hat dafür gesorgt, dass der Berliner Kinderchor nicht mehr nur eine Singgemeinschaft für Kinder und Jugendliche ist, sondern in den 60 Jahren zu einer großen Gemeinschaft geworden, in der Kinder eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung finden und lernen, sich einzuordnen, sich zu achten und füreinander da zu sein, einfach die Berliner Kinderchorfamilie.

Die „Ehemalige“ Gisela Möbius, die heute die Chorkinder liebevoll betreut, sang als Kind selbst im Kinderchor.

Aus dem Chor gingen auch Künstler hervor, die heute auf den Bühnen der Welt stehen, professionell oder nur aus Leidenschaft und Liebe zur Musik.

Die Gründerin     

Felicitas Hübbe-Haunert

Chordirektorin († 2006)

Felicitas Hübbe-Haunert begann ihre erfolgreiche Laufbahn an der Singschule des Konservatoriums in Berlin und studierte anschließend Musik und Pädagogik in Berlin und Salzburg.

Am 20.08.1945 gründete sie die Singgruppe, aus der sich der Berliner Kinderchor entwickelte. In dieser Zeit war sie als Lehrerin im Schuldienst tätig. Durch ihr Engagement entwickelte sich der Berliner Kinderchor von der Singgemeinschaft zu einem erfolgreichen Kinderchor, der im In- und Ausland die Stadt Berlin erfolgreich vertreten hat.

Felicitas Hübbe-Haunert war die erste Frau in der Bundesrepublik, die mit dem Titel Chordirektorin ADC (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände) vom Deutschen Sängerbund am 18. Juli 1970 ausgezeichnet wurde.

Weitere Auszeichnungen erhielt sie für ihre erfolgreiche Arbeit mit dem Berliner Kinderchor. So wurde Felicitas Hübbe-Haunert 1976 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Im Dezember 1990 bekam sie das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Damit wurde nur ein Auszug einer Vielzahl von Auszeichnungen aufgezählt, die sie für ihre selbst gewählte Lebensaufgabe erhielt.

Im Alter von 80 Jahren starb Felicitas Hübbe-Haunert am 6. April 2006.